Ein Ausflug nach Kurzeme. Oder: You’re American, not German!

Dieses Wochenende waren wir mit ESN im Westen von Lettland, in Kurzeme (Kurland) und dessen Hauptstadt Ventspils (Windau).

Samstag früh ging es los. Ohne Sandra’s Wake-Up-Klopfen 10 vor 7 hätte ich den Trip voll verpasst 😉 . Mein Handy klingelte zwar viertel 7 aber naja, wie das halt so ist. Zum Glück hatte ich am Abend vorher geduscht und Haare gewaschen und alles gerichtet, aber ich kenne ich ja inzwischen… Um 8 ging die Fahrt dann los. In einem alten, wahrscheinlich ehemals in Deutschland benutzen Reisebus. Nach ner knappen Stunde waren wir am ersten Ausflugsziel angekommen, einer riesigen industriellen Bäckerei. War sehr lustig, (wenn auch nichts Neues, das was meine Oma  im Steinofen macht nur in groß) vor allem die Musikmischung von Modern Talking über Backstreet Boys bis zu Bruno Mars^^. Sandra und ein paar andere haben auch ihr eigenes Brot gebacken. Und natürlich durften wir alle die Spezialitäten des Hauses probieren… Hier meine Mitbewohner Fran und Antonio im Hygieneoutfit:

Danach gings dann weiter, halbe Stunde Fahrt und in ein Freilichtmuseum: der Schauplatz der deutsch-russischen (lettische Gewehrschützen als Kanonenfutter inklusive) Weihnachtsschlachten im 1. Weltkrieg. Wo das Schlachtfeld war, steht heute wieder Wald, allerdings hat man einen Teil des deutschen Schutzwalls rekonstruiert und ein Häuschen der deutschen Soldaten stand im Original noch da und es gab Ausstellungen mit allerlei Überbleibsel, anfangen bei Waffen und Granaten über Schnapsflaschen und Zigarettendosen sowie Bildern und einem Modell des Schlachtfeldes. Was krass ist, dass auf dem selben Raum, also einem Häuschen 3 deutsche Soldaten lebten, während es auf russischer das zehnfache war. Pierre, ein Franzose, meinte nur, ihr hättet eure Kraft fürs Kämpfen und nicht fürs Häuschen bauen einsetzen sollen. Ich antwortete nur: Ohne Amerika hätte Frankreich nichts gewonnen. Und er meinte nur, er weiß. Wir verstehen uns gut. Bei allen anderen Franzosen weiß ich nicht, wie ich reagieren würde, wenn man Witze über solche Themen macht aber bei Pierre ist das schon ok. Immerhin hat er einen fastdeutschen Nachnamen (Berger, heißt aber Schäfer und wird Bersche ausgesprochen ;-)) und da er Pariser ist, „hasst“ er alle restlichen Franzosen. So sei das eben in Frankreich. Wie zum Beweis ging auf dem ehemals deutsch-russischen Schlachtfeld auch ein französischer Bürgerkrieg in Form einer Schneeballschlacht los. Ich versuchte meinen amerikanischen Freundinnen klar zu machen, dass es aus diplomatischen Gründen klüger sei sich erstmal rauszuhalten, dies nützte aber nichts und so wurde schlussendlich auch Deutschland genötigt der Pariser Bevölkerung gegen die Aufständischen vom Lande beizustehen und einen Schneeball zu werfen…

Nachdem ein Zwangsfrieden hergestellt und ein Gruppenfoto geschossen wurde, gings weiter in ein Hotel zum Mittagessen. Das war sehr lecker. Danach hatten wir eine zweistündige Fahrt nach Ušava, wo wir eine Brauerei besichtigen sollten, vor uns. Die Führung war recht kurz, aber sehr interessant. Wir erfuhren, dass es zum besten Bier Lettlands gekürt wurde und das Bier dem Reinheitsgebot folgend nur aus Gerste, Hopfen, Malz und Wasser gebraut wird und der Herstellungsprozess deshalb ein längerer ist als bei Brauereien, die irgendwelche Zusätze reinmischen und das Bier in einer Woche fertig haben. Das beste war natürlich das Freibier am Schluss. Alle tranken, ich probierte auch und naja, Bier schmeckt mir immer noch nicht. Als heute auch noch rauskam, dass ich auch keinen Kartoffelsalat mag, meinte Ron (ein Originalchemnitzer, der in Jena studiert), mir werde in Kürze die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen, ich solle mich nach einer Neuen umschauen. Die hab ich im Prinzip auch schon (die Amerikanische, was ich jetzt nicht soo toll finde), aber dazu später mehr. Ich lernte dafür in kürzester Zeit einen (amerikanischen) Trinkspruch von Maggie. Sie ist in einer Verbindung: ΑΓΔ (sorry für die Ausdrucksweise, ich hab’s nicht erfunden) „Take a drink! Take a drink! Take a drink, motherfucker, take a drink! If you can’t take a drink like a Alphagam can, then you shouldn’t have a drink in your motherfucking hand! Take a drink!“ Und danach wird das Glas auf interessante Weise um den Kopf geschwungen und dann wird getrunken, trocken bleibt so keine (ist ne Schwesternschaft, of course).

Nach dem Bier sind wir dann auf nach Ventspils ins Hostel. Angekommen dachte ich nur: Welcome to Hutholz!!! (Für meine Nichtchemnitzer Freunde: Hutholz ist eine Plattenbausiedlung in C-City.) Aber das war schon okay. Ich teilte mir das Zimmer mit Tanja, einer Russin. Wir sind dann los, wir aßen etwas und kauften Alkohol zum Vorglühen bevor wir uns dann kurz nach 11 auf den Weg in die, wie wir das Gefühl hatten, einzige Bar in ganz Ventspils zu machen (am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es wohl weitaus mehr, nämlich mindestens 2 oder 3 mehr gab). Die Musik erinnerte an Dorfdisco und die lettischen Jungs haben wohl zum ersten Mal so viele Frauen auf einem Haufen gesehen, zumindest konnte man diesen Eindruck durch ihre Begeisterung, den Flirtversuche auf Lettisch und dem Mann-Frau-Verhältnis (ca. 3 Lettinen und 30 Letten) gewinnen. Naja, leider verstanden wir nichts und wir hatten ja auch nicht vor, irgendwas mit irgendwem anzufangen. Gegen 2 brachen wir dann alle auf, ich fand, dass es ganz okay war, Sandra hingegen…naja, wer verwöhnt von der Berliner Szene ist ;-). Ich als Dorfkind bin mit englischsprachiger Musik, bunten Lichtern und Cocktails hingegen auf jeden Fall davon überzeugt, dass es eine Party ist, auf der ich bin. Im Laufe des Abends meinte Karlene, my little Nebraska Girl, ich sei ein typisches Nebraskamädchen. Im positivesten Sinne, selbstverständlich. Meine Art, mein Verhalten, meine Offenheit und so weiter seien einfach mal typisch undeutsch. Na toll, von allen Nationalitäten, die ich eventuell annehmen würde, ist es ausgerechnet die amerikanische, die zu mir passen scheint. God praise America! Naja, dank meiner beiden Amerikanerinnen hab ich inzwischen ein wieder besseres Bild von den Staaten. Und Bianka, eine Ungarin meinte, dass ich so gut Englisch sprechen würde, dass sie nicht erkennen könne, woher ich komme. Ich mag Deutschland und die deutsche Sprache, aber ich bin froh keinen deutschen Akzent im Englisch zu haben. Thanks to Ms. Bär and Mr. Preißer!!!

Sonntag früh ging es nach Frühstück zu einer Burgbesichtigung und danach Stadtrundgang. Der deutsche Namen Windau ist wirklich Programm. Die Temperaturen sind zwar um die Null Grad aber der Wind ist abartig. Wirklich heftig… Nach dem Mittagessen sind wir dann an den Strand gefahren. Zum ersten Mal hab ich die offene Ostsee und Ostseewasser gesehen. Und es war so wunderschön!!!! Unbeschreiblich, ich kann nur raten hinzufahren. Das muss man selbst sehen.

Danach sind wir nach Hause, nach Riga gefahren. Es war ein sehr schönes Wochenende und ich hab vor, öfter mal raus aus Riga zu fahren, schließlich beginnt gerade meine 5. Woche hier…

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