Puschkin, Bond und Dinamo

So meine Lieben,

die Zeit hier vergeht wie im Flug, ich kann’s nicht fassen. Und ich will mir nicht vorstellen hier wieder weg zu müssen. Nicht, dass die Prophezeihungen von Sascha und Maria noch wahr werden… Ich kann ja zur Not meinen Master hier machen, wenn ich Riga wirklich vermisse. Und Eishockey. (O-Ton: Fran: „Sabrina, you’re obsessed with Ice-Hockey!! Addicted.“) Wir waren gestern nämlich mal wieder an einem Spiel. Aber alles der Reihe nach.

Die Woche begann mit Montag, danach folgte Dienstag und so weiter ;-). Die Sonne leistet ganze Arbeit, man sieht das Eis und den Schnee schmelzen und muss durch riesige Seen waten, wenn man auf dem Gehweg läuft (Und wieder einmal bin ich dankbar für meine fantastischen Schuhe). Mit um die 4° sind die Temperaturen jetzt auch wirklich angenehm.

Montag abend waren wir im Kino und aßen todesmutig Popcorn. Das ist jetzt leider ein schlechter Scherz, da vor 3 Wochen hier wirklich jemand im Kino erschoßen wurde, weil er angeblich zu laut Popcorn gekaut hatte. Naja, das absolut Krasse und Bizarre an der Sache war, dass der Erschossene eine Doktorarbeit an der Uni geschrieben hatte (weiß ich von meinem Juraprof) darüber, dass man hier in Lettland doch die Waffengesetze lockern sollte. Ich glaube, er würde jetzt anders darüber nachdenken. Ich bin ja eh kein Freund von solchen Sachen, wobei Sandra und ich mal vor hatten hier in Riga zu einem Schießstand zu gehen und das ausprobieren. Wenn Sergei wieder zu Hause ist…^^

Dienstag war Frauentag. Leider war ich zu spät unterwegs und alle Blumen waren anscheinend schon verteilt, naja, Franzi (die auch leer ausging) und ich meinten dann abends, wenn wir am Frauentag keine Blumen bekommen, müssen wir halt Holz hacken gehen… Der Frauentag wird hier dank alter russischer Tradition richtig groß gefeiert. Gut für die Blumenindustrie. Und Laima (lettischer Schokoladenproduzent). Wir (Anke, Franzi und ich) sind dann trotzdem zur Feier des Tages mit Ömar (studiert hier Baltic Sea Region Studies, kommt aber aus der Türkei) zu unserem Lieblingsjapaner essen gegangen. Und bekamen als Frauen ein Gratis-Minidessert. Naja, eigentlich war das nicht zur Feier des Tages, wir haben uns vorgenommen nach Baltic Musics (geht bis 21:00 Uhr) immer Sushi essen zu gehen. Wenn es nicht mehr kostet als selber machen, wieso selber machen…

Mittwoch bin ich mal neue Wege durch die ganzen Parks gegangen, da ich hoffte, was Neues zu sehen. Und tatsächlich, ich hab Puschkin getroffen. Puschkin ist in diesem Falle kein Wodka, sondern eine Statue des berühmten russischen Dichters. Er hatte eine (echte) Rose in der Hand (vlt vom Frauentag oder Fans) und da die Beschriftung in Russisch war, nehm ich an, dass „er“ ein Relikt aus der Sowjetzeit ist. Er hat einen sehr schönen Platz, mitten im Park an einer Kanalbrücke. Abends waren wir im Ala, das ist eine Kneipe oder so, vielleicht vergleichbar mit dem Club der Kulturen. Mittwoch ist Folk Night: eine lettische Band spielt traditionelle Tänze und die Jugend tanzt dazu. Ich hab natürlich mitgetanzt und viel Spaß gehabt. Allerdings hatte ich die Männerrolle inne, da ich mit Sabine, einer Lettin, die ich die Woche davor im Couple learning programme kennengelernt habe, getanzt habe. Der Tanz lässt sich am besten als eine Mischung aus Polka und Schuhplattler beschreiben, was aber sehr unzureichend ist. Da ich Donnerstag (mal wieder) eine Präsentation in International Human Rights Standards halten musste (diesmal über Litauen’s Einhaltung des Covenats on civil and political rights –> ich war schon etwas geschockt), war aber früh Schluss.

Donnerstag haben wir dann Kochabend bei uns zu Hause gemacht und da Maggie (natürlich angesehen von meinen drei spanischen Chicos), die einzige Nichtdeutsche war (Sergei kam Donnerstag, dann waren da noch Franzi und Anke), wurde es ein ziemlich deutscher Abend. Wir haben aber Rigas Balsam getrunken. Wenn man nicht Rigas Balsam trinkt, war man nicht wirklich in Riga, so eine lettische Weisheit.

Freitag war dann James Bond Party, Dresscode „smart“. War sehr lustig, allerdings war ich die einzige aus der WG, Pablo ist in Vilnius und Fran und Antonio waren bei den spanischen Mädels, wir wollten sie nach der James Bond Party im Push, einer Disco treffen. Das hatte dann aber zunächst die Folge, dass ich 100 mal gefragt wurde, wo denn der Rest meiner WG sei, ich alleine zähle wohl nicht… 😉 Aber im Vergleich zur Pink Party, die an selber Stelle statt fand, war die James Bond Party wirklich gut. Das Push war auch ganz lustig, allerdings war am Samstag um 13:00 Uhr ja DAS Spiel, weshalb wir dann nicht mehr ganz so lange blieben. Die Jungs hab ich nicht gesehen, die kamen zu spät, kamen nicht rein (spanisches Zeitgefühl…^^) und sind dann ins Moon Safari…

Samstag war es dann endlich soweit, Playoff Halbfinale, Riga gegen Jaroslaw. Ich hab jetzt übrigens den Playoffmodus verstanden: Das Team, was als erstes 4 Spiele gewonnen hat, ist weiter. Jaroslaw war nach der Hauptrunde erster in der Tabelle, also noch mal stärker als Moskau. Nach den ersten beiden Spielen in Jaroslaw stand es 1:1 zwischen den beiden. Die Stimmung war gut gestern, wenn auch nicht so gigantisch wie bei meinem ersten Spiel. Nach dem ersten Drittel stand es 1:2…dann aber kam das zweite Drittel, eine absolute Katastrophe. 0:5 in 20 Minuten, da nützen auch die 2 Tore im dritten nichts mehr. Zumal das dumme 8. Tor der Russen echt vermeidbar gewesen wäre. 10 Sekunden vor Schluss gabs dann noch mal ne richtige Schlägerei, 3 Rigaer und 2 Jaroslawer bekamen 2 bzw. 4 Minuten Strafen… Jaja, ein Spiel zum Vergessen. Aber danach warteten wir noch darauf mit den Spielern zu reden und Chris Holt, der amerikanisch-kanadische Torhüter von Dinamo, war richtig nett. Nachdem die ganzen Teenagegirls fertig mit Fotos machen waren, gingen wir zu ihm hin und Karlene begrüßte ihn, auf sich und Maggie deutend: „Hi, we’re from Nebraska, and you looked fucking hot on the ice.“ Damit war das Eis dann gebrochen, zumal da er erzählte, dass er jetzt in Nebraska leben würde, wenn er in den USA sei. Geboren ist er allerdings in Vancouver. Er war echt nett und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass er gar nicht gehen wollte (wir haben sicher mindestens ne Viertelstunde geredet). Er meinte, es sei schön mal wieder gutes Englisch zu hören. Zum Spiel am Montag meinte er nur, dass es wohl noch aggressiver werden würde, da Riga jetzt ja aufholen müsse. Wir gehen hin, denk ich mal (mein armer Geldbeutel…). Danach haben wir nichts mehr gemacht, sind brav nach Hause und ich hab Wäsche gemacht. Fran und Antonio wollten weg gehen, ich hab ihnen das aber bis zum Schluss nicht geglaubt. Als sie dann gegen 2 Uhr, als ich ins Bett ging, doch noch aufbrachen, war ich dann doch erstaunt.

Heute morgen kam Antonio dann zurück, gegen halb 12. Halleluja, so lustig drauf war er noch nie^^. Jetzt ist grad Martin gekommen, einer unserer Vorgänger hier in der Wohnung. Er ist auch Deutscher, womit wir im Moment ein deutsch-spanisches Gleichgewicht in der Wohnung haben (Sandra, Sergei, Martin und ich sowie Fran, Antonio, Isa und Mabel, zwei Freundinnen von Fran aus Valencia). Es ist echt wie Ferienlager hier und nach allem, was ich jetzt so mitbekommen habe, werden die Jungs die nächsten Tage, so lange Martin da ist, richtig Party machen. Schön und ich hab eine Präsentation am Dienstag, eine Klausur am Mittwoch so wie einen Lettischtest am Donnerstag. Schönes Erasmusleben ;-).

Visu labu und пока!

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