St. Patrick

Labdien,

die Woche ist nun fast wieder zu Ende (gut, das Highlight kommt noch) und ich musste gestern im Lettischtest die Frage beantworten, wieviele Monate ich noch hier bleiben würde. Bei den 3 Monaten erschrak ich schon etwas. Aber gut, danach kommt hoffentlich Kiew. Und irgendwann C-City…

Die Zahl der Übernachtungsgäste hat sich Anfang der Woche noch mal um eine Person gesteigert und ein reger Austausch der Gäste stattfindet (+ 2 deutsche Freunde von Martin, + 2 valencianische Jungs (a.k.a. Beachboys), – Sergei, -2 valencianische Mädels), komm ich mir so langsam echt wie im Youth Hostel vor. Aber gut, Martin hatte Mittwoch Geburtstag und letztes Semester fest versprochen, diesen hier zu feiern. Eigentlich würd ich das auch gerne machen, leider sind hier in Riga im November unter Umständen noch nicht einmal mehr meine lettischen Freunde (Lauma will nach Schottland…). Naja, dann flieg ich halt zu Andre nach Lissabon oder sonst wohin…^^

Meine Klausur Mittwoch war ganz ok, den Essayteil kann ich nicht einschätzen, ich lag schon so oft daneben bei sowas. Auf jeden Fall hätte ich dienstagabend doch mitfeiern können, zum lernen kam ich bei dem Trubel, der hier herrscht, eh nicht… Aber nein, ich als brave Musterstudentin habe nein zu Weib, Wein und Gesang, also viel mehr, nein zu Mann, Tanz und Wodka gesagt und mich mit Texten zu europäischem Rassismus beschäftigt.

Das Ferienlager ist seit Donnerstag dabei sich langsam aufzulösen, da die deutschen Gäste gestern bereits anbreisten. Und Samstag fahren auch die Beachboys Jose und Carles ab. Beachboys sind sie, weil sie aus Valencia kommen. Ich werde hier nämlich mit allerlei innerspanischen Vorurteilen konfrontiert. Zunächst, also vor zwei Wochen wurden von einem Experten aus Granada (a.k.a. Antoniño) eine große Warnung vor Besuch aus Valencia ausgesprochen, da es sich hierbei um Gitanos handle („All Valencian are gypsis“) und man lieber Geld und Wertsachen wegschließen solle. Dies wurde aber von einem Valencianer, der in Riga vor Ort ist, (a.k.a. Franito) sofort revidiert. Am Wochenende folgten dann Prognosen zweier waschechter Valencianerinnen, wie die valencianischen Jungs denn so seien: „Muscles, Tattoos and Machos.“ Nun gut, auch dieses wurde vom Valencianer vor Ort revidiert, sein Oberarm ließ aber sofort das erste Klischee als Tatsache erscheinen. Als ich nichts ahnend Dienstagabend von der Uni nach Hause kam und die Geburtstagsparty schon in vollem Gange war, wunderte ich mich dann 2 Sekunden, wo diese neuen Spanier denn schon wiederherkamen (ich lerne hier täglich neue kennen, ich glaub , es gibt hier ein Nest), ein Blick auf ihre Arme jedoch verriet, dass das die Freunde von Fran sein müssen. Ich kann aber sagen, dass wirklich nur das Muskelklischee sich bewahrheitet hat, soweit ich das beurteilen kann, sind mir keine Tattoos oder Machoverhaltensweisen aufgefallen, wobei das natürlich auch an sprachlichen Barrieren liegen kann. Long story short: Mädels, die auf wirklich durchtrainierte Männer stehen, sollten vielleicht mal einen Singleurlaub in Valencia einplanen. Nur so als Reisetip (auch in russische Richtung, wobei da die Versorgung ja im Moment gewährleistet ist).

Wenn wir schon bei Vorurteilen und Rassismus sind, sollte ich vielleicht noch die Paraden oder Aufruhen zum 16.März hier in Riga erläutern. Im Zweiten Weltkrieg kämpften Letten auf deutscher wie auf russischer Seite, auf beiden unter Zwang, es gab aber wohl auch Freiwillige. Am 16.März 1943 wurde eine lettische SS-Legion aktiv. 1998 wurde dieser Tag als nationaler Feiertag vom Parlament proklamiert, was aber zwei Jahre später wieder aufgehoben werden musste. Natürlich sprachen sich vor allem lettische Russen und der übergroße Nachbar sehr gegen diesen Feiertag aus, aber auch im Rahmen des EU-Beitritts konnte man über die damit einhergehende Verharmlosung oder gar Glorifizierung von SS Verbrechen nicht hinweggehen. Seit dem dieser Tag aber ins Bewusstsein gerückt ist, legen die ehemaligen, noch lebenden SS-Legionäre Blumen am Freiheitsdenkmal ab, da sie in ihren Augen für die Freiheit Lettlands gekämpft haben. Was eine Naziherrschaft über die Letten bedeutet hätte, hätte aber mit Freiheit wahrscheinlich nicht viel zu tun gehabt.  Dieses Kranzniederlegen zieht natürlich auch weitere Neonazis und extremrechte Letten an und somit hat sich dieser Tag seit dem Jahr 1998 mehr und mehr zu einer Neonaziveranstaltung entwickelt. Diese rief natürlich Gegendemonstrationen auf den Plan, so dass in den letzten Jahren Ausschreitungen quasi an der Tagesordnung standen, heute soll jedoch alles relativ friedlich verlaufen sein, was wahrscheinlich auch an den Massen an Polizisten lag. Der Neonazi- und SS-Legionärsaufmarsch wird zwar jährlich gerichtlich untersagt, da das Verfahren jedoch so lange widerrufen wird, bis der Tag dann auch vorbei ist, kann man kaum gegen die Ausführenden vorgehen, schließlich besteht ja auch in der lettischen Verfassung Versammlungsfreiheit. Ich persönlich war nicht vor Ort, da wir keine Ahnung hatten, wann dieser Spuk von Statten geht und wir letztendlich zu spät waren, hab mir aber ein Video angeschaut…Ich finde es schon richtig krass, dass das jedes Jahr stattfinden kann, am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit…

Nun aber zu schöneren Dingen. Gestern war St. Patrick’s Day und trotzdem wir keinen Iren hier haben, hieß es gestern, go green. Bei mir beschränkte sich das allerdings auf einen Schal, den ich mir von Anke auslieh, was Grünes besitze ich leider nicht. Zunächst haben wir uns aber im Lido getroffen um zu essen und dann sind wir in die Skyline Bar gegangen, ein Hammerausblick vom 26. Stockwerk.. Bei der Fahrt im Aufzug hatte ich schon wacklige Kniee, der ist nämlich gläsern und man kann alles sehen. Wenn ich von Sandra Fotos bekomme, liefere ich sie nach^^. Und ein Hammercocktail (Mai Tai…hmmmm). Nur die Musik war etwas laut, das sei aber nicht normal, so erfahrene Skylinebarbesucherinnen^^. Danach sind wir dann ins Irish Pub, wo schon weitere Erasmusstudenten Party machten. Es war sehr lustig, vor allem war da ein Franzose, der schon tipsy war und hat mich die ganze Zeit auf französisch zu getextet. Ich hab ihn dann gefragt, leider auf französisch, warum er nicht englisch mit mir spricht. Darauf meinte er ich sei doch Französin und ich nur: Quoi? Je suis pas une francaise!!! Je suis allemande!!! Nach 10 Minuten mühsamen Verhandlungen über meine Staatsbürgerschaft auf französisch und englisch sowie deutschen Aussagen meinerseits zückte ich meinen Ausweis als endgültigen Beweis. Und sofort hörte er auf Französisch zu sprechen und warf mir vor, ich hätte ihn verarscht. Das dachte ich auch von ihm, mal ernsthaft, mein Französisch ist soo schlecht, er muss schon sehr betrunken gewesen sein, wenn er mich ernsthaft für eine Französin hielt. Verrückte Franzosen… Nach zwei Cidern meinerseits (nein, Bier mag ich immer noch nicht…) machten wir uns auf den Weg zu Oscars Geburtstagsparty. Seinem 20.. Er ist 1985 geboren… Und eigentlich hat er auch erst am Montag Geburtstag, weshalb ich ihm nicht gratulierte. Ich erklärte ihm, dass das Unglück bringe. Er meinte, ich sei die einzige, die nicht gratuliert hat, es sei aber ok. Die Party war sehr lustig, ich hab mich mit den Beachboys und Jan, dem polnischen Taxifahrer und Erasmusstudent unterhalten. Er fährt nämlich das inoffizielle Erasmustaxi.

Heute Morgen bekam ich dann die Nachricht, dass ich dieses Wochenende doch mit nach Litauen kann. Das heißt: morgen Vilnius, Sonntag Vilnius und Kaunas. Das wird klasse. Mit den ganzen Verrückten aus Amerika, Polen, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Norwegen und und und sowieso… Nur Sandra kann leider nicht mit, sie schreibt Montag eine Klausur. Pablo ist auch nicht mit von der Partie, das heißt, die zwei können schön Party machen alleine in der Wohnung, arme Sandra…^^

So, ich mach jetzt mal die Wäsche fertig und dann geht’s heute Abend früh ins Bett, 6:30 Uhr ist Abfahrt…

Visu labu und всего хорошего!

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