Litauen für Anfänger

Spring is in the air!!! Die Sonne scheint, der Mantel kann offen getragen und die Mütze zu Hause gelassen werden. Allerdings schulde ich euch erstmal noch einen Bericht übers Wochenende in Litauen.

Los ging’s Samstag früh, halb 6, es schneite schon wieder, die Fahrt begann dann 7 ab der Ökonomie/ Managementfakultät. Wir fuhren mit einem Doppeldeckerbus, Franzi, Henrike, Anke und ich saßen oben vorne, um das Panorama zu genießen. Allerdings beschlug die Frontscheibe ständig…

Hills of Crosses

Den ersten Halt machten wir am „Berg der Kreuze“ (eher ein Hügel), das ist ein (katholischer) Wahlfahrtsort, an dem über 100.000 Kreuze und Rosenkränze abgelegt wurden. Man legt ein Kreuz ab und bittet dann um etwas. Ich hab auch einige deutsche Aufschriften gesehen. Gleich daneben steht seit 10 Jahren ein Kloster der Franziskanermönche, was wir auch besichtigten. Papst Johannes Paul II. besuchte den Berg am Anfang der 1990er, woraufhin dieses Kloster dann erbaut wurde.

Highway to Hell

Die Busfahrt nach Trakai war dann eine musikalische Tort(o)ur. Nachdem wir eigentlich schlafen hätten können, da wir die lettischen Holperstraßen hinter uns gelassen hatten, beschloß der Busfahrer wohl, wenn er nicht schlafen darf, darf das keiner. So hielt er uns mit riskanten Überholmanövern und viel zu lauter Musik vom schlafen ab. Die Musik war auch sehr bunt gemischt, von Frank Sinatra über Country und den Beatles (leider nur ein halbes, instrumentales Let it be) bis hin zum Höhepunkt: Highway to hell. Ja, das drückte genau das aus, was wir fühlten. Allerdings war das auch ungefähr der Zeitpunkt, als wir zum ersten Mal so etwas wie Steigung wahrnahmen (Lettland ist absolut flach…). Anke sprach gleich von Bergen, ich würde angesichts meiner Kindheit zwischen Alpen und Schwarzwald eher von „Buckeln“ reden 😉 .

Trakai

Dann kamen wir in Trakai beim Restaurant an. Dachten wir, wir stiegen also alle aus, die Raucher steckten sich eine Zigarette an und dann hieß es plötzlich, Kommando zurück, alle wieder einsteigen. Ich sag’s ja, der Busfahrer… Beim nächsten Stop waren wir dann aber richtig und aßen in einem typisch litauischen Restaurant. Danach liefen wir zur Wasserburg von Trakai. Sie ist relativ groß und die Räume innen auch schön warm. Trakai war die erste Hauptstadt Litauen’s und ist somit historisch sehr bedeutsam. Da Trakai aber zwischen Seen liegt, ist ihr Wachstum begrenzt und die Stadt zählt nur knapp über 5 000 Einwohnern, ist also kleiner als Lauchringen.

Vilnius – (S)Angria

In Vilnius 2 Stunden zu spät angekommen, verschoben wir den Stadtrundgang auf Sonntag morgen und machten uns gleich auf den Weg zu Čili Kaimas. So ähnlich wie Čili Pica nur eben mit litauischer, traditioneller Kost. Ein Blick in die Karte verriet, dass Litauen viel günstiger ist als Lettland, der Litas ist auch viel weniger Wert als der Lats (ungefähr ein Fünftel). Nun gut, dachten wir (ich saß am German-American table: Justin, Mags, Henrike, Anke, Franzi und ich) uns, bestellen wir uns zur Feier des Tages Sangria im Pitcher (für 20 Litas, das ist ja nichts…^^). Das Personal, was aus eineinhalb Kellnern bestand, war mit unserer (angemeldeten!!!) Gruppe aber total überfordert. Wir bestellten, nachdem wir das Essen nicht ganz so toll fanden („Zeppeline“: Kartoffelklöße in Zeppelinform mit Hackfleisch gefüllt, hört sich besser an, als es ist…), ein Dessert. Eine halbe Stunde, nachdem wir ihn bestellt hatten, wurde uns freundlicherweise mitgeteilt, dass man keinen Sangria machen könne, da Fanta alle sein. In dieser halben Stunde hätte ich auch zu Rimi gegenüber laufen können um Fanta zu besorgen… So wurde aus Sangria Angria (angry)… Die Zeit, in der wir auf unser Dessert warteten (ging lediglich eine weitere Stunde…), nutzten wir sinnvoll um Maggie Wichtiges auf Deutsch beizubringen, da sie Ende dieser Woche zu ihrem German man Basti nach Dortmund fährt. Die Kombination „Du bist heiß. Ich will Steak, bitte.“ fand ich besonders gelungen. Nach einer Ewigkeit und 5 Minuten bevor sich die ganze Gruppe vor Rimi treffen sollte, kam dann der Nachtisch. Die Eiskugel war schon verlaufen, woraus wir schlossen, das nicht die Küche das verzögernde Element war. Es schmeckte gut, war jedoch „a pretty short pleasure for such a long waiting time…“. Danach hetzten wir durch den Rimi um das Nötigste zu kaufen und kamen dann ziemlich als letzte bei der Gruppe an, die sich schon in Bewegung gesetzt hatte… Auf dem Weg zum Hostel erfuhren wir, dass wir in zwei Hosteln die Nacht verbringen würden, da die Gruppe ja erst 2 Tage vor Abfahrt vergrößert wurde (sonst wäre ich schön in Riga geblieben…). Um kein Drama draus zu machen und da das zweite Hostel angeblich näher an der City lag, entschied sich das German-American Ghetto für das zweite Hostel. Dort angekommen, teilten wir 14 (noch ein paar Jungs konnten sich für das zweite Hostel begeistern) uns auf die Zimmer auf. Mags, Karlie und ich erhielten ein Dreibettzimmer mit Dusche vor dem Bett. Diese war zwar augenscheinlich mit Massagefunktion, jedoch hatte keine von uns dreien vor, vor den Augen der Anderen zu duschen. Aber da wir das erst nach der Party oder am Morgen machen wollten, machten wir uns erst mal keine weiteren Gedanken darüber.

Party à la Lituanie

Nachdem wir eine Stunde Zeit zum Fertigmachen hatten, machten wir uns mit Московская und O-Saft bepackt auf den Weg ins andere Hostel. Wir freuten uns beim Gedanken, dass die anderen diesen Berg (ja, hier kann man wirklich von Berg sprechen) nachts betrunken hochlaufen müssen. Kaum dort angekommen, hieß es dann aber, dass wir so langsam aber sicher aufbrechen sollen. Gut, Berg wieder runter und rein in die Disco. War eine ganz nette Atmosphäre, bunt gemischte Musik, aber außer uns 60 waren fast keine Leute da, war irgendwie schade. Wir haben getanzt (und wie wir getanzt haben…ohjeohje…)und gelacht bis wir uns gegen drei auf den Weg nach Hause machen wollten. Wir, das waren Justin, Mags, Henrike, Anke und ich. Da wir keine Ahnung hatten, wo wir denn bitteschön hinsollen, beschlossen wir, ein Taxi zu nehmen. Sollte nicht so schwer werden (Litauen ist ja soooo billig^^). Wurde es aber, da wir ja 5 Personen waren und mein Handy nicht funktionierte um ein großes Taxi zu rufen. Der erste Fahrer wies uns auch promt ab, er hätte 15 Litas verlangt, der zweite, den ich eigentlich nur fragen wollte, ob er ein großes Taxi rufen könne, meinte, für 20 fährt er uns ins Hostel. 4 Litas pro Person, is ja nicht so teuer… Wir kamen dann also an und zahlten artig, das Taxometer blieb natürlich aus. Am nächsten Tag erfuhren wir, das Santa für den selben Weg nur 7 Litas zahlte. So ist das eben, wenn man kein litauisch kann, muss man bezahlen. Ist in Lettland auch nicht anders. Im Zimmer schlief Karlene dann schon, so dass ich mit Maggie ausmachte, ich geh so lange Zähne putzen und so weiter, wie sie duschen würde und the other way round. Allerdings funktionierte die Dusche nur so halb, die Massageamatur und das Licht scheint nur Deko zu sein. Naja, sauber wurden wir dennoch^^.

I always feel like a stripper

Sonntagfrüh ging’s dann weiter, Frühstück und dann mit dem Bus die anderen abholen. Auf dem Weg dorthin ließen wir den Abend Revue passieren und da Mags und ich mal kurz an der Stange getanzt haben (es waren ja nur unsere Leute da und das ist manchmal richtig lustig…und ein super Workout^^) und wir meinten, „it actually feels a bit like a stripper“, antwortete Justin nur ganz trocken: „I always feel like a stripper“. Dieser Satz passte super auf „Barbara Streisand“, hier das Lied, wie wir es von da an den ganzen Tag sangen:

http://gobarbra.com/hit/new-41440538ad5d124aaf7c14bef7de7722

Die Anderen waren weniger gut gelaunt und machten einen sehr verkaterten Eindruck. Von ihrem Hostel aus ging die Stadtbesichtigung los. Vilnius ist nicht soooo schön wie Riga, ist eher im Barock als im Jugendstil und hat viiiieeele Kirchen (die Litauer sind sehr katholisch aber gleichzeitig sehr stolz darauf, das letzte heidnische Volk in Europa gewesen zu sein…erst die Hochzeit der polnischen, jungen Prinzessin mit dem alten litauschen Herzog im 13. Jahrhundert führte zur Christianisierung Litauens), aber hat einen sehr eigenen Charm und „fühlt“ sich kreativer an als Riga. (Ich war aber auch noch nie in Riga’s Künstlerviertel, am WE fahren wir vielleicht mal rüber…). Litauen ist für seine Liebe zum Jazz bekannt und das spürt man in den Gassen der Hauptstadt. Die große Kathedrale im Zentrum wirkt übrigens eher wie ein griechischer antiker Tempel. Vor dieser ging die Protestkette 1989 los, das war eine Menschenkette (durchgängig) von Vilnius über Riga nach Tallin um gegen die Besetzung und Unterdrückung zu demonstrieren. Ziemlich beeindruckend, das sind immerhin 600 km, also von Chemnitz nach Hause oder so^^. Vor allem hatte man da ja noch keine Computersimulationen, Handys und Internet…

The Yellow Swan

Nach einem Mittagsesseneinkauf bei Rimi ging’s dann weiter im Bus nach Kaunas. Diese war zu der Zeit der ersten litauischen Republik von 1920 bis 1940 Hauptstadt, da die Polen Vilnius besetzt hielten. Wir begutachteten viele Kirchen und kamen in den Genuss von Sonnenstrahlen, Spring is in the air!!! Zum „Abendessen“ gegen 5 (O-Ton Italiener: this is the earliest dinner of my life!“) gingen wir in ein riesiges Einkaufzentrum zu Čili Pica. Das Essen war lecker, das Highlight jedoch war die Eisbahn, auf die wir von unseren Plätzen frei Sicht hatten. Wir waren alle gebannt vom Schicksal des „Yellow Swan’s“: ein ca. 15-jähriges Mädchen, das völlig talentfrei übers Eis stolperte (nicht das ich behaupte, es besser zu können). Sie war die tragische Heldin und jeder war von ihrem Schicksal ergriffen, auch wenn wir über ihre seltsamen Verrenkungen und ihr ständiges Umfallen lachen mussten. Ihr Widersacher war ein „widerlicher“ Angeber, mit Schal und Holzfällerhemd. Er konnte zwar echt gut Eislaufen, aber durch seine angeberischen Posen, besonders ausgeprägt waren diese, wenn er vor unserer Heldin lief, verspielte er jede Sympathie. Der Höhepunkt war als unser „Yellow Swan“ ihrem „Prinzen“ in die Arme fiel, von allen Tischen war ein „Oooohh“ zu hören… Nach diesem „Happy End“ hörte sie jedoch nicht auf und setzte sich gleich wieder auf den Hosenboden und zog ihren Begleiter gleich mit. Der Bösewicht zog natürlich mit besonders ausgefallener Pose vorbei. Nach dieser Liebeskomödie fuhren wir nach Hause.

Die Fahrt stellte sich durch die bei Nacht noch gefährlicheren Überholmanövern des Busfahrers jedoch als weniger erholsam heraus als erhofft. Nicht nur, dass wir einmal fast über eine Verkehrsinsel oder in einen LKW gerast wären, nein, er hat es auch immer geschafft, zu beschleunigen, hinter dem zu überholenden Objekt zu kleben, dann abbremsen zu müssen, dann rauszuziehen um auf der Gegenfahrbahn zu beschleunigen und dann irgendwann, 5 cm vor der Verkehrsinsel oder einem entgegenkommenden Fahrzeug reinzuziehen. A perfect example of how you should NOT drive a bus. Auch die Klimaanlage war viel zu stark eingestellt, ich fror die ganze Zeit und Franzi war richtig krank gestern.

Alles in allem war der Trip nach Vilnius aber ein voller Erfolg und machte viel Spaß!!!

PS: Bilder wurden bei Facebook von Freunden zusammengesucht, da meine Akkus noch immer leer sind. Aber das Ladegerät müsste ja bald ankommen…

Dieser Beitrag wurde unter Ausflüge veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s