Mit dem Benz auf die Nehrung…

Mitte Juni beschlossen 5 , damals noch alle in Riga lebende junge Frauen mit einem gemieteten Auto nach Litauen auf die Kurische Nehrung zu fahren. Um ganz sicher zu sein, dass frau sich da auf deutsche Wertarbeit verlassen kann (und nicht etwa des Preises wegen), bevorzugten sie die Mercedes Benz E-Klasse aus dem Jahre 1996 und nahmen nicht den, größtenteils im Ausland gefertigten, 2005er 😉 . Nur die Identität der Fahrgäste war, bedingt durch das lettische Autokennzeichen, natürlich tout à coup eine andere.

Als Fahrer setzten sie Frau Sabrina R. ein und so ging es am Morgen des 14.06.2011 in Riga los. Mit Musiqq im CD-Spieler, nach einigen Schwierigkeiten aus der Stadt rauszufinden (ich war davor vielleicht dreimal Pārdaugavā, Flughafen hin und zurück^^…) und nachdem Froanzi L. aus ihrem Kuhdorf vor den Rigaer Toren abgeholt wurde, konnte es dann so richtig losgehen. Holpernd und polternd fuhren sie Litauen, dem Land des Jazzs und des Bernsteins entgegen. Holpernd und polternd auf Grund der prekären Straßenverhältnisse… (die jedoch immer noch 100mal besser sind als jene im Grenzgebiet’s Russlands)

 

Im letzten heidnischen Land Europa’s angekommen, verbesserten sich die Straßenverhältnisse augenblicklich. Als die holden Frouen Schaulen, zu litauisch Šiauliai, erreichten, wurden sie zugleich wie durch Zauberhand in das Warenhaus Tilžė gezogen. Dort statteten sie sich durch cleveres Umtauschen und Nutzen der hiesigen Schwedenbank Bankomatas mit dem landestypischen Geldmittel – Litas- aus. Nach einer aufregenden Jagd durch die Gänge des Supermarktes Maxima, der im Übrigen die gleichen Sachen im Angebot hatte wie der lettische Maxima, und dem Besuchen des rosabeleuchteten Sanitärbereiches, sollte die Fahrt weitergehen.

Irgendwann nach Kelme und vorbei an ungläubig starrenden (noch nie ein Auto mit 5 „Lettinnen“ gesehen?), mehr oder weniger durchtrainierten, litauischen Helden der Straße (auch Bauarbeiter genannt), erreichte die Kutsche samt Fahrerin und Mitfahrerinnen die A1. Die erste echte Autobahn, die frau im Baltikum gesehen hat. 130 km/h (erlaubte Höchstgeschwindigkeit). Was für ein Gefühl endlich mal wieder Autofahren zu können ;-).

Dann ging alles ziemlich zügig. In Klaipėda angekommen, machte sich der Nachteil, auf ein elektronisches Navigationsgerät verzichtet zu haben, erneut bemerkbar. Aber gott-sei-dank waren sich die Damen nicht zu fein nach dem Weg zu fragen, sie steuerten zunächst nämlich den internationalen Fährhafen an. Am richtigen Fährhafen angekommen, konnte die Überfahrt zur Kurischen Nehrung beginnen. Die Fahrt war äußerst kurz, sehr zur Freude der seeuntauglichen Fahrerin. Nach einer kurzen Fahrt entlang der einzigen Straße auf der Nehrung, erreichten die Ladies Juodkrantė.  Das Hotel war auch schnell gefunden, ein Missverständnis an der Rezeption kurzerhand gelöst und die Zimmerverteilung ausgelost, sodass dem Strandbesuch nichts mehr im Wege stand. Natürlich wollten die Damen nicht im Haff sondern in der offenen See baden.

Der (vermutlich) sehr kalkhaltige Sand quitschte wie Halloumikäse unter den Füssen, das Meer war angenehm warm (vor allem im Vergleich zu Jurmala’s 10° Wassertemperatur die Woche zuvor) und nach ausgiebigen Toben in den Wellen, zog es die feeengleichen Nixen zurück an den Strand um sich auf die Such nach Hühnergöttern und Bernsteinen zu machen. Leider erfolglos.

Abends entschieden sich die jungen Urlaubsreisenden, nach Nida zu fahren, um die größte Stadt auf der Nehrung zu besichtigen. In guter alter Sushi-Tuesday Tradition wollten sie ein ebensolches Restaurant aufsuchen, leider war es geschlossen. Außer Cili Pica bot sich kaum ein anderes Angebot, weshalb die Ausgehungerten sich auf eben jenes einließen. Nach dem besten Dessert der Welt (Vanilleeis mit heißer Schockolade, Sahne und gehackten Nüssen), wurde es Zeit sich auf den Weg zurück ins Hotel zu machen.

 

Unterwegs wurde jedoch Halt gemacht, um den „Sonnenuntergang“ (davon konnte auch im südlicheren Litauen so kurz vor der Sommersonnenwende nicht wirklich die Rede sein) zu genießen. Auch hielten die Mitfahrerinnen erfolglos Ausschau nach Elchen, welche auf der Kurischen Nehrung beheimatet sind. Namentlich hervorzuheben auf Grund besonders großem Engagement (zu sächsisch: Angasch’mang) ist die Neuzoologin Frau Dr. rer. rig. (rerum rigensium) W. . Zurück im Hotel, fiel die erste dem Schlafe zum Opfer. Frau La. und Frau Le. hingegen betätigten sich spotrlich und joggten etwas am Haff entlang, während Frau W. und Frau R. an der Promenade entlang flanierten. Der nächtliche Schlaf war äußerst erholsam.

Der nächste Tag startete mit einem Frühstück am echten Strand. Die jungen Touristinnen konnten dies auf Grund des allzu kalten Windes jedoch nicht vollends genießen. Einzig die unerschrockene Frau La. konnte den Wellen nicht widerstehen und sprang in die Fluten. Nach diesem morgendlichen Höhepunkt ging es weiter auf den Hexenberg. Hier stellten und stellen litauische Künstler Skulpturen aus litauischen Märchen und Sagen aus. Wunderschön und sehr aufwändig. Auch die Mückenplage war dank lettischem „Insektizides“ in den Griff zubekommen.

Viele Fotos später machten sich die Studentinnen erneut auf den Weg in die Stadt Nida. Dort begutachteten sie erstmal das Thomas-Mann-Haus (der Mann hatte einen guten Sinn für einen schönen Ort), danach ging es litauisch essen. Zeppeline!!! (Schmecken mir immer noch nicht…) Frau R. konnte sich einfach nicht an den Umstand gewöhnen, dass sie in einem von Deutschen geprägten Urlaubsort ist und die freundliche Bedienung fließend deutsch sprach, so dass Frau R. munter englisch sprach, sobald sie in Kontakt zur Bedienung stand. Nach Bersteinshopping (erfolgreicher als Bernsteinsuche) und Postkarten schreiben, machten sich die Landschaftslieberhaberinnen auf den Weg zu großen Düne. Diese konnten sie nur vom Rande aus betrachten, jedoch war dies schon gigantisch. Wie eine Wüste im Meer. Ein freundlicher Individualtourist bot sich als Fotograph und so konnte er mit allen 4 ihm zugesteckten Kameras zeigen, das er sich einem Fotographen würdig erwies. Es schien ihm sogar Spaß zu machen die Hühner abzulichten.

Nach dem Ausflug in die Natur sollte nun aber die Rückkehr in eine große Siedlung folgen: Klaipėda. Nach kurzem Suchen war das Hostel erreicht. Die Frauen machten sich frisch, redeten über dies und das und dreiviertel 10 (21:45 hr) machten sie sich auf den Weg in die Stadt um Nahrungsaufnahme zu betreiben. Sehr schlechte Idee um diese Zeit schien alles schon geschlossen zu sein bzw. gerade zuzumachen. Lediglich eine Kneipe fanden wir. Allerdings wurde Frau R. dort von einem betrunkenen Russischsprachigem mehr als einmal zum Tanz aufgefordert, was mit der Zeit ziemlich auf die Nerven ging und auch die Bedienung war alles Andere als ein Genie. Nachdem wir irgendwas (nur nicht das, was wir bestellten) zu Essen bekamen waren wir darüber aber schon sehr dankbar. Auf dem Heimweg stellten wir fest, dass auch noch ein Pizzaladen geöffnet war. Dort tranken wir Milchshakes und gingen danach ins  Hostel, wo wir todmüde ins Bett fielen.

Nach dem Frühstück unternahmen wir eine kleine Tour durch die Stadt, kauften weiteren Bernsteinschmuck und fuhren dann an das Meer. Nach diesem entspannenden Ausklang ging die Reise zurück in die Hansestadt Riga. Die leicht ermüdete Frau R. gab irgendwann das Steuer an Frau La. ab. Kurz bevor Frau La. allerdings am Flughafen abgesetzt wurde um einen Freund abzuholen, machten die Mädels sich an die Arbeit den Benz zum Scheinen zu bringen. In fünf Minuten sah er aus wie neu 😉 .

Ich muss sagen das war einer der schönsten, wenn nicht der schönste aller Ausflüge, die wir gemacht haben. Die Kurische Nehrung ist definitiv „a nice place“ und ein echter Tipp, wenn auch kein Geheimtipp (zumindest nicht unter deutschen Rentnern;-)).

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